Loveparade mit Sonne und guter Laune
Unter dem Motto "The Love Is Back" tanzten am Samstag nach zweijähriger Pause wieder Technofans aus aller Welt im Tiergarten. Die Veranstalter sprachen von mehr als einer Million Teilnehmern, die Polizei schätzte die Zahl auf etwa 500000.Elf Stunden lang bewegte sich die Menge bei sommerlichen Temperaturen friedlich auf der Paradestrecke zwischen Brandenburger Tor, Siegessäule und Ernst-Reuter-Platz zu wummernden Beats und Elektropop-Klängen. Damit kommt Berlin auch nach dem Ende der Fußball-WM nicht aus dem Feiern heraus. Ob es auch 2007 wieder eine Love Parade geben wird, ließ der neue Veranstalter zunächst offen.
Vermisst wurde von zahlreichen Ravern der Love-Parade-Gründer DJ Dr. Motte. Er war nach einem Streit mit dem neuen Parade-Chef der 16. Auflage des Techno-Ereignisses ferngeblieben. Seine traditionelle "Friedensbotschaft" wurde gestrichen. "Da fehlt ein großes Stück Tradition, er ist schließlich der Vater der Love Parade", meinte die 31-jährige Ivonne Triebel. In den vergangenen beiden Sommern hatten die Veranstalter um Dr. Motte den Umzug mangels Sponsorengeldern ausfallen lassen müssen.
Die Stimmung war ausgelassen, obwohl sich lange nicht so viele Tänzer wie früher kostümiert hatten. Doch zahlreiche Raver tanzten in gewohnt kurzen Röcken, orangen Bauarbeiter-Westen, neongrünen Plüsch-Stulpen und mit den traditionellen Trillerpfeifen und Sonnenblumen ausgestattet. Aus dem Ausland waren vor allem Polen, Holländer, Österreicher, Tschechen, Engländer und Franzosen angereist.
230 DJs aus 17 Nationen heizten der Menge auf der 250 000 Quadratmeter großen Tanzfläche ein. Um Punkt 14.00 Uhr hatten sich die 40 "Love Trucks" auf der Straße des 17. Juni in Bewegung gesetzt. Auf der abendlichen Abschlusskundgebung an der Siegessäule standen DJ-Größen wie Westbam, Tom Novy und Paul von Dyk an den Plattentellern. Unermüdliche wollten noch bis Montagmorgen in den Clubs des Hauptstadt weiter feiern.
Selbst Szene-Kenner waren überrascht von dem neuerlichen großen Zuspruch der Rave-Fans. "Das hätte der größte Optimist nicht erwartet", meinte Paul van Dyk. "Die Love Parade ist ein friedvolles Signal von Berlin in die Welt hinaus", so der DJ auf RTL II. "Die Love Parade ist immer noch die größte Party für elektronische Musik, sagte der Chefredakteur von "Raveline", Sven Schäfer, "und Deutschland ist das Ursprungsland der elektronischen Musik." Bei der letzten Parade im Jahr 2003 waren rund 750 000 Raver dabei.
"Die Love Parade ist erwachsen geworden", sagte der neue Parade-Chef Rainer Schaller, Inhaber einer Fitnessstudio-Kette. Er hat zwei Millionen Euro in die Wiederbelebung des Techno-Umzugs investiert und eine weitere Million Sponsorengelder aufgetrieben. Techno sei nur eine von vielen Musikrichtungen, die jetzt auf der Parade gespielt würden, sagte er. Neben "klassischem" Techno klang aus den Boxen mit einer Leistung von einer Million Watt nun auch House, Trance, Minimal, Progressive, Drum'n'Bass, Elektropop und sogar Live-Musik. Insgesamt waren die Töne sanfter und die Beats langsamer als früher.
Schaller beendete auch den jahrelangen Streit um den Müll. Er übernimmt die Entsorgungskosten komplett. Noch in der Nacht begannen die Berliner Stadtreinigung BSR und private Entsorger mit dem Saubermachen. Mit rund 60 Tonnen sei deutlich weniger Müll angefallen als in früheren Jahren, sagte ein BSR-Sprecher.
Der Malteser Hilfsdienst behandelte 3431 Love Parade-Teilnehmer, 556 wurden ins Krankenhaus gebracht. Neben Schnittwunden und Kreislaufproblemen hätten die Raver vor allem Probleme wegen Alkohol- und Drogenmissbrauchs gehabt, hieß es. Nach Polizeiangaben gab es 41 Festnahmen, unter anderem wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, Sachbeschädigung und Körperverletzung.
Quelle
16.07.2006 - 12:43Uhr Sayon - News
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